Museums-GEHEIM-Tipp:

AlliiertenMuseum

Clayallee 135 - Outpost
14195 Berlin

www.alliiertenmuseum.de

Öffnungszeiten: täglich außer mittwochs, 10-18 Uhr

Eintritt frei!


Fährt man auf dem nach dem amerikanischen General Lucius Dubignon Clay benannten Boulevard in Berlin-Dahlem Richtung Süden erblickt man auf der rechten Straßenseite eine ungewöhnliche Szenerie. Zunächst ein typisch amerikanisches Kino aus den 50er-Jahren - der süße Duft von Popcorn und Cola liegt in der Luft -, dann folgt eine viermotorige Propellermaschine ohne Flughafen, ein Eisenbahnwagon auf einem offensichtlich toten Gleis, ein Containerhäuschen, ein ehemaliger DDR-Wachturm, ein Glas-Stahl-Bau, der an den van-der-Rohe-Bau der Neuen Nationalgalerie erinnert und schließlich zwei Bronzedenkmäler im Grünen.
Das seltsame Ensemble in dieser noblen Wohngegend gehört zum AlliiertenMuseum  - unseren Museums-GEHEIM-Tipp.
 
Das 1996 gegründete Museum (entstanden aus einem DHM-Projekt von 1991) erzählt die Geschichte v. a. der westalliierten Besatzungsmächte in Westberlin und Westdeutschland in der Zeit von 1945 bis zu ihrem Abzug 1994. Es zeigt, wie aus Besatzern Freunde und Beschützer wurden und wie die Kultur und Lebensweise der Amerikaner, Briten und Franzosen das Leben in der Frontstadt des Kalten Krieges prägten.

Die Dauerausstellung des Hauses befindet sich in zwei Gebäuden. Der Rundgang beginnt im Outpost, einem ehemaligen Theater und späteren Kino, das seinen amerikanischen Stil nicht verbergen kann. Solche Kinobauten, die das Flair von Lederjacken, Haarspray, Petticoats und Heckflossen vermitteln, findet man heute kaum noch.
 


Abb. 1: Outpost, AlliiertenMuseum Berlin.

Im Outpost werden dem Besucher die Grundzüge der Zusammenarbeit der vier Großmächte USA, UdSSR, Großbritannien, Frankreich vor und kurz nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Streitkräfte vermittelt. Das Ausscheiden der Sowjetunion aus dem Alliierten Kontrollrat am 20.03.1948 war das Ende dieser Kooperation und der Anfang der Blockkonfrontation auf deutschem Boden. Seitdem standen sich die westalliierten Streitkräfte und die Truppen der Roten Armee feindlich gegenüber.

Das stalinistische System versuchte daraufhin immer wieder seinen Anspruch auf die gesamte Ostzone, einschließlich Berlin, auch militärisch durchzusetzen. Während in Westberlin und Westdeutschland mit dem Aufbau eines demokratischen und pluralistischen Systems begonnen wurde, das von einer funktionierenden Markwirtschaft getragen werden sollte, installierten die Sowjets ein ihren Interessen dienendes diktatorisches Regime in Ostdeutschland, das sie nach Belieben kontrollieren konnten. Vom Aufbau freier Medien und der Lizenzierung unabhängiger Zeitungen in den Westzonen berichten die Vitrinen am Eingang in den Kinosaal des Outpost.
 


Abb. 2: Landeanflug einer Douglas C-54 der US-Air-Force auf den Berliner Flughafen Tempelhof; Henry Ries/NYT Berlin, Juli 1948 Photographie
© DHM, Berlin Ph 2007/952

Den ersten Versuch, das sozialistische System auf die gesamte Ostzone auszuweiten, bildete die Blockade der Westsektoren durch die Rote Armee, die am 23./24. Juni 1948 begann. Hiervon berichtet der größter Teil der im Outpost gezeigten Ausstellungsstücke. Durch die Blockade der Land- und Seewege nach Westberlin sollte die Bevölkerung ausgehungert und die Westalliierten zur Aufgabe gezwungen werden. Nur durch den unermüdlichen Einsatz der vereinten Streitkräfte und ihrer Lufteinheiten im Rahmen der sog. Berliner Luftbrücke (Operation Vittles), sowie den Durchhaltewillen der Westberliner, konnte diese Aggression abgewehrt werden.

Auch die berühmt gewordene Geschichte vom "Schokoladenonkel" Gail Halvorsen und den sog. Rosinenbombern (Candy Bomber) wird hier erzählt. Weitere Themen werden durch Computerterminals und Videos veranschaulicht
 

Über das Freigelände, vorbei an der Hanley Page Hastings, in der man eine Videoausstellung sehen kann (beschränkte Öffnungszeiten), einem Wagon eines französischen Militärzugs, dem ehemaligen Kontrollhäuschen des Checkpoint Charlie und einem Wachturm der ehemaligen innerdeutschen Grenzanlagen gelangt man zum Gebäude der Arthur D. Nicholson-Gedenkbibliothek. Hier wird die Dauerausstellung fortgesetzte, deren spektakulärstes Objekt sicherlich ein Teilstück des Spionagetunnels (Operation Gold/Stopwatch) aus Berlin-Bukow ist, das das Museum in einer aufwendigen Ausgrabung 1997 bergen konnte.

Darüber hinaus erfährt der Besucher hier interessante Fakten über das alltägliche Leben der Soldaten und Zivilangestellten der Westalliierten sowie ihrer Familien in Westberlin. Auch militärische und geheimdienstliche Aktionen der alliierten Streitkräfte an und hinter der Mauer, d. h. in Ostberlin und auf dem Gebiet der DDR, werden hier durch Ausstellungsstücke, Erklärungstexte und Videos beleuchtet. Daneben gibt es immer wieder wechselnde Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen.

Das Museum steht in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen. Zwar sind die Besucherzahlen für eine Einrichtung dieser Art und an diesem Standort durchaus bemerkenswert, in der Berliner Museumslandschaft nimmt das AlliiertenMuseum jedoch leider einen Randplatz ein. Wie der inzwischen im Ruhestand befindliche Gründungsdirektor Herr Dr. Helmut Trotnow in einem Interview mit der museumseigenen Zeitung Berlin-Outpost bemerkte, sei das Museum deutschen Berlintouristen aber auch Einheimischen größtenteils unbekannt, dagegen erfreue sich das Haus großer Beliebtheit v. a. bei Touristen aus den USA und Großbritannien. Es kommt also darauf an, das Thema wieder populär zu machen. Das Haus bietet hervorragende Möglichkeiten auch für Schulklassenführungen mit thematischer Schwerpunktsetzung.

Die neue Museumsdirektorin Frau Dr. Gundula Bavendamm wird in den kommenden Jahren die Standortfrage zu klären haben. Ein Umzug auf das Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof wäre aus thematischer und logistischer Sicht überaus wünschenswert. Wir wünschen ihr und ihrem Team dabei viel Glück und Geduld bei den Verhandlungen mit den Verantwortlichen beim Land und Bund.

Allen historisch Interessierten empfehlen wir bereits jetzt unbedingt einen Besuch im AlliiertenMuseum Berlin. Historisch Forschenden möchten wir darüber hinaus die umfangreichen Sammlungen (Großobjekte, Militaria, Waffen, technische Geräte, Schilder/Modelle, Alltagsgegenstände, Karten/Plakate, Dokumente, Fotos, Tonbänder und Videobänder) des Hauses empfehlen.

Maik Hager

Aktuelle Publikation zum Thema:

Sven Felix Kellerhoff & Bernd Von Kostka

Hauptstadt der Spione.
Geheimdienste in Berlin im Kalten Krieg,

Berlin 2009.

Links:

Internetseite des AlliertenMusem e. V.

Berlin-Outpost.de - Informationen und Nachrichten aus dem AlliiertenMuseum in Berlin

Dobberke, Cay, Alliierten-Museum will 2014 in Tempelhof öffnen, in: Der Tgesspiegel, 11.12.2009

Albrecht, Michael, Ella Fitzgerald sang im Outpost, in: Berliner Zeitung, 10.08.99.

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