Abbildung: Buchumschlag mit der Fotographie einer Dampfspritze der Freiwilligen Feuerwehr Steyr aus dem Jahr 1914.

Hajo Brandenburg,

Die Geschichte der Feuerwehr.
Fotographien aus zwei Jahrhunderten,
 

Sutton Verlag, Erfurt 2009.

Neben den Polizeibeamten und den Krankenpflegern gehören die Feuerwehrleute (Männer wie Frauen in allen Berufsgruppen) zu den Helden des Alltags. Immer zum Einsatz bereit, kümmern sie sich um das Wohlergehen ihrer Mitmenschen unter dem Motto: "Retten - Löschen - Bergen - Schützen"

Mit seinem Bildband "Die Geschichte der Feuerwehr" gibt Hajo Brandenburg einen Einblick in die moderne Geschichte und Tätigkeit der deutschen (deutsche Länder, Deutsches Reich, BRD und DDR) und österreichischen Feuerwehren von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Jahr 2000. Dabei behandelt der Autor in vier Kapiteln zunächst die "Gründung der Feuerwehren auf dem Land und in den Städten" (S. 13-35), die "Ausrüstung der Feuerwehrleute" (S. 37-67), den "Alltag bei der Feuerwehr" (S. 69-101) und schließlich "Großbrände und Katastrophen" (S. 103-122). Die einzelnen Kapitel werden jeweils durch einen kurzen Erläuterungstext eingeleitet, in dem der Autor auf die Besonderheiten des Themengebiets aufmerksam macht. Die durchweg schwarz-weißen Abbildungen werden durch Bildunterschriften erklärt.

Schon als kleiner Junge hat mich die Feuerwehrtechnik begeistert. Die zahlreichen Gerätschaften mit den Feuerwehrleute arbeiten und die imposanten Fahrzeuge verschiedenster Bauart haben auf mich eine besondere Faszination ausgeübt. Zu einem persönlichen Engagement bei einer Freiwilligen Feuerwehr (FF), die es auch in Berlin gibt, hat dies allerdings nicht geführt.
Ich bevorzugte eher die Beschäftigung mit der Feuerwehr im kleinen Maßstab im Kinderzimmer und erst kürzlich habe ich meine Liebe zur kleinen Feuerwehr wiederentdeckt.


Abbildung: Löschfahrzeug mit Rettungsbootanhänger der des dänischen Spielwarenherstellers LEGO aus der Produktserie LEGO City (7239), Bildnachweis und © The LEGO Group.


Abbildungen: Öffentliche Vorführung des Rauchhelms mit Wasserbrause
der Fa. König in Altona (heute: Hamburg-Altona) um 1900 und

 
 moderner Pressluftatmer der Firma Dräger (PSS® 5000), Bildnachweis: www.draeger.com .

Dementsprechend ist das Kapitel über die Ausrüstung der Feuerwehrleute für mich natürlich von besonderem Interesse. Hier hat der Autor insgesamt 49 Fotographien zusammengetragen, auf denen die unterschiedlichsten Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände von Feuerwehren zwischen 1880 (Zubringerspritze der Freiwilligen Feuerwehr Tulln, S. 43) und 2000 (Tragkraftspritzfahrzeug und Löschgruppenfahrzeug der Altenlager Feuerwehr. S. 67) zu sehen sind. Der Autor beschreibt in seiner Einleitung die technischen Entwicklungen im Bereich der Spritzentechnik, Leitertechnik und Fahrzeugtechnik.

In ersten Bereichen sind aus heutiger Sicht als Kuriosum zunächst die Dampfspritzen hervorzuheben, die "ständig befeuert werden mussten, damit sie in zwölf Minuten nach der Alarmierung eingesetzt werden konnten." (S. 37)
Zum Vergleich: Die sog. "Hilfsfrist" bei Brandbekämpfungseinsätzen in Berlin wurde 2003 auf 15 Minuten festgelegt (siehe: Neues Einsatzkonzept der Berliner Feuerwehr).

Im Bereich der Leitertechnik macht Brandenburg vor allem auf die Entwicklung Ganzstahlleiter aufmerksam die in den 1920er-Jahren die die noch zu großen Teilen aus Holz bestehenden Leitern ablöste.

Im Bereich der Fahrzeugtechnik weißt der Autor vor allem auf die Elektromotorisierung bis 1935 hin: "Außerdem hielten viele Feuerwehrleute es für sehr gewagt, mit Explosionsmotoren und Benzin zum Einsatzort zu fahren." (S. 38)

Abschließend behandelt Brandenburg die Brandschutzkleidung und Uniformierung der Feuerwehrleute, die mit der Reichsgründung von 1871 verstärkt Einzug hielt. Die Fotographie einer öffentlichen Vorführung eines sog. Rauchhelms mit Wasserbrause gehört hier zu den interessantesten Bildquellen (S. 52 und nebenstehend). Dabei handelt es sich um den Vorläufer der heutigen Pressluftatmer.

Insgesamt bietet Brandenburgs Bildband einen guten Einblick in die moderne Geschichte der deutschen und österreichischen Feuerwehr, da Bildquellen aus verschiedenen Einzelwerken, die nicht unbedingt einen thematischen Bezug zum Feuerwehrwesen haben, zusammengetragen wurden. Außerdem finden sich einige Fotographien aus Archiven und Privatsammlungen. Der Autor rückt dabei Aspekte eines Themas in den Vordergrund, die den meisten Menschen unbekannt sein dürften. Für historisch Interessierte bietet das Werk eine Vielzahl von Bildquellen im Bereich der Technikgeschichte. Sie eignen sich auch hervorragend für einen  Längsschnitt im Geschichtsunterricht zum Thema "Technik, Medien und moderne Wissenschaft: Von der Industrialisierung bis heute" in der Jahrgangstufe 9/10 (siehe Berliner Rahmenlehrplan Geschichte, Sek. I, S. 35).
Aus meiner Sicht kritisch anzumerken und für eine zweite Auflage unbedingt zu verbessern wäre zum einen die Datierung der ausgewählten Fotographien. Sie ist leider nicht überall gegeben. Ein kleiner Fehler hat sich auf S. 19 eingeschlichen. Das Bild des zweiten Zugs der Freiwilligen Feuerwehr Melsungen stammt eindeutig aus dem Jahr 1880 (siehe Beschriftung Handdruckspritze) und nicht aus dem Jahr 1875 wie im Erklärungstext behautet wird.
Zum anderen sollten in einer zweiten Auflage unbedingt an den entsprechenden Stellen Farbfotographien verwendet werden.

zum Autor:

Dr. Hajo Brandenburg ist Historiker und Leiter des schleswig-holsteinischen Freuerwehrmuseums in Norderstedt bei Hamburg. Neben Publikationen über die Geschichte des Feuerwehrwesens hat sich Dr. Brandenburg ebenfalls intensiv mit Stadt- und Sozialgeschichte beschäftigt und insbesondere die Geschichte des Hamburger Stadtteils Altona erforscht.

Linktipps:

Internetseite des Sutton Verlags

Feuerwehrmuseum Schleswig-Holstein

Förderverein Feuerwehrmuseum Berlin e. V. - Zeitleiste zur Geschichte der Berliner Feuerwehr

Literaturempfehlungen:

Blazek, Matthias: Unter dem Hakenkreuz. Die deutschen Feuerwehren 1933-1945, Stuttgart 2009.

Schmiedecke, Ralf: Die Berliner Feuerwehr, Erfurt 2009.

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