Lebenszeichen 2012

Projekte der Hoffnung

Bildkalender der
Gesellschaft für bedrohte Völker e. V.

In der zwanzigsten Ausgabe des Bildkalenders Lebenszeichen blickt die Gesellschaft für bedrohte Völker e. V. in diesem Jahr zurück und erzählt die Erfolgsgeschichten von Selbsthilfeinitiativen, die Ureinwohner und Minderheitenangehörige auf die Beine gestellt haben. Dabei werden durch die großformatigen Fotos auf den 12 Kalenderblättern zunächst einzelne Gruppen von Ureinwohnern und Minderheiten vorgestellt, deren Geschichte und Projekte dann auf der Rückseite des jeweiligen Blattes näher erläutert werden. Die Beiträge stammen u. a. von Angehörigen der betreffenden Völker und Minderheiten oder von Entwicklungshilfeaktivisten, die selbst involviert sind.

Bei der Lektüre der umfangreichen Informationen haben mich zwei Selbsthilfeprojekte besonders beeindruckt, die ich an dieser Stelle kurz vorstellen möchte:

Modellprojekt "Gandhi-Gymnasium" in Pecs (Ungarn)

Jahrzehntelang wurden Roma-Kinder in Ungarn systematisch diskriminiert. Frau Dr. Katalin Forray, Leiterin des Lehrstuhls für Romologie an der Universität Pecs berichtet, dass viele Roma-Kinder auf Sonderschulen geschickt worden, ohne dass dabei auf ihre intellektuellen Fähigkeiten Rücksicht genommen wurde. Die durchgeführten Schuleignungstest hätten diese "Segregation" gefördert, so dass vielen Roma-Kindern eine höhere Schulbildung vorenthalten wurde.
Dies ist allerdings nur die eine Seite des Problems. Barbara Huemer berichtet Ende 2010 / Anfang 2011 von den Widerständen der Roma-Eltern, die erst davon überzeugt werden müssten, ihre Kinder zur Oberschule zu schicken, um ihnen eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Nur mit viel Mühe könnten die Eltern davon überzeugt werden, ihr Einverständnis zu geben. Vor allem deren eigne Erfahrung mit schulischer Ausgrenzung und Erfolglosigkeit spielten hier eine Rolle.
Das aus der Gandhi-Stiftung hervorgegangene Gandhi-Gymnasium verhilft seit 1994 vor allem Roma-Kindern zu einem höheren Schulabschluss und damit zur Möglichkeit eines Studiums.

 

Umoja - das Dorf der Frauen (Kenia)

Seit 1990 leben in dem kleinen Dorf am Rande des Samburu-Nationalparks ausschließlich Frauen. In zahlreichen Zeitungsartikeln und Fernsehreportagen wurde bereits über das Leben der Frauen berichtet. In der patriarchalen Gesellschaftsordnung der Samburu, einem Krieger- und Nomadenvolk im Norden Kenias, ist die Frau Eigentum des Mannes. Sie ist das Opfer von von häuslicher Gewalt, Zwangsehe und Genitalverstümmelung. Als Eigentum des Mannes ist sie quasi recht- und schutzlos.
Die Gründung Umojas durch Frauen, die vor ihren Männern geflohen waren, traf von Anfang an auf Widerstand und auch heute noch wird die Gemeinschaft in der Umgebung wenig akzeptiert. Dennoch schafften es die Frauen, sich eine neue Existenz aufzubauen und übernahmen auch traditionell männliche Aufgaben. Als Viehzüchterinnen und Landbesitzerinnen ist es ihnen gelungen, ihre Gemeinschaft am Leben zu erhalten. Sie planen sogar, ein Touristencamp in der Nähe ihrer Gemeinschaft zu errichten, um finanziell unabhängiger zu werden.

 

Auf den zwölf Kalenderblätter, die sehr aufwendig und höchst informativ gestaltet sind, werden viele weitere Selbsthilfeprojekte aus den USA (Cherokee), Indien (Adivasi), Peru (Q'ero), dem Niger (Tuareg) und anderen Ländern vorgesellt. Die Fotomotive der Kalenderblattvorderseiten finden sich auch auf der GfbV-Internetseite.

Besonders hervorzuheben ist, dass durch den Kalender Angehörige von Minderheiten und indigenen Völkern selbst zu Wort kommen. Es finden sich zahlreiche Statements und Beiträge von Betroffenen, die durch Artikel von Menschenrechtsaktivisten, die eng mit den Betroffenen zusammenarbeiten, ergänzt werden. Dadurch ist der Kalender nicht nur eine schöne Bilderschau, sondern vielmehr ein umfangreiches und fundiertes Informationsmedium zum Thema.

Aus diesem Grunde bietet sich das Material auch für den Einsatz im Unterricht an. Im Sozialkundeunterricht der Mittelstufe (Themenfeld Menschenrechte, 7./8. Klasse) regt es zu einer vertiefenden Auseinandersetzung mit Minderheitsrechten an. Schülerinnen und Schüler können anhand der Materialien eigene Vorträge, Präsentationen und Ausstellungen ausarbeiten und sich mit den Vertretern einer Ethnie und deren Anliegen und Selbsthilfeprojekten speziell auseinandersetzten.
Auch für den Ethikunterricht der Mittelstufe bieten die Materialien zahlreiche Anregungen. Über die Rechte und Rollen von Männern und Frauen können die SchülerInnen im Themenfeld 4 (Gleichheit, Recht, Gerechtigkeit) z. B. anhand der Materialien über Umoja arbeiten und diskutieren.

Durch die Darstellungsweise und die Materialien des Kalenders erhalten die Schülerinnen und Schüler, aber auch interessierte Erwachsene, einen umfassenden Einblick in aktuelle Probleme des Minderheitenschutzes auf nationaler und internationaler Ebene, lernen aber auch Beispiele für erfolgreiche Selbsthilfeprojekte kennen. Hieraus können die Schüler ein kritisches Bewusstsein im Umgang mit Minderheiten und deren politischen Rechten entwickeln.

Mit dem Kauf des neuen Bildkalenders der Gesellschaft für bedrohte Völker unterstützen Sie deren Bemühungen, Minderheiten und indigenen Völkern Gehör zu verschaffen. Mit dem Einsatz der Materialien im Unterricht können Sie den Schülerinnen und Schülern ein wichtiges politisches Anliegen anschaulich vermitteln.

Den Kalender können Sie über den Onlineshop der GfbV e. V. zum Preis von 19,90 € zzgl. Versand bestellen. Eine Liste ausgewählter Geschäfte, in denen Sie den Kalender ebenfalls erwerben können, finden sie online.

Maik Hager

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