Das Salzburg Panorama 1829
Abbildung 1: Das sog. Sattler-Panorama, 1829, Bildnachweis: Salzburg Museum;
Hundertfünfundzwanzig Quadratmeter groß, sechsundzwanzig Meter Umfang und fünf Meter hoch: mehr als drei Jahre malte Johann Michael Sattler am Panorama der Festungsstadt Salzburg

Bild(er) einer Ausstellung

Mit gigantischen Ausmaßen überwältigt Johann Michael Sattlers Ölgemälde seine Betrachter

Salzburg 1829. Der Historienmaler Johann Michael Sattler (1786–1847) macht sich mit seiner Frau und seinen zwei Kindern auf eine Reise durch halb Europa. Zehn Jahre werden sie unterwegs sein. Mit im Gepäck ein Bild, das Johann Michael Sattler unsterblich macht: Das Sattler-Panorama.

Kaiserlich beginnt die Geschichte des Salzburger Panoramas, denn Kaiser Franz I. soll dem Künstler die Idee des großflächigen Salzburgbilds in den Kopf gesetzt haben. Der Monarch ließ sich von Sattler porträtieren und war von dessen Talent sehr angetan. Das Panoramamalen war gerade in Mode, denn die originelle Darstellungsweise sorgte für Beachtung und wenn’s der Kaiser gebietet, wird gemalt. Gemeinsam mit Landschaftsmaler Friedrich Loos (1797–1897) und dem Grafiker Johann Josef Schindler (1777–1836) begann Sattler 1824 mit dem ehrgeizigen Großprojekt. Bemerkenswert ist, dass das Wahrzeichen der Stadt Salzburg, die Festung Hohensalzburg, nicht auf dem Sattler-Gemälde verewigt ist. Schließlich war sie der Ausgangspunkt für die Maler, denn von wo aus hätten die Künstler einen besseren Überblick auf Salzburg und seine Umgebung gehabt als vom Stadt-Symbol selbst? Von fünf Aussichtstürmen begannen die Vorbereitungen und Skizzen für das Sattler-Panorama, bis im Jahr 1826 der erste Pinselstrich erfolgte und es schließlich im Jahr 1829 endlich auf dem Makartplatz präsentiert wurde.

500.000 Euro für Restaurierung

Durch eine beeindruckende Spendenaktion wurde das Sattler-Panorama mit einem Kostenaufwand von rund 500.000 Euro in 4400 Arbeitsstunden aufwendig bis Juli 2005 restauriert. Kurz darauf zog das Gemälde in seine „neue Residenz“, ins Panorama-Museum, ein. Hier entführt das Stadt-Panorama den Besucher ins Salzburg des jungen neunzehnten Jahrhunderts.


Abbildung 2: Friedrich von Armeling, Portrait Kaiser Franz I. von Österreich, Öl auf Leinwand, 1832, Kunsthistorisches Museum Wien; Bildnachweis: commons.wikipedia.org.

So grün und beschaulich hat keine Menschenseele Salzburg heutzutage je gesehen. Den Kai gibt es noch nicht – die Häuser am Fluss holen sich nasse Füße, stehen sie doch direkt in der Salzach. Detailverliebt und präzise zeichnen Sattler, Loos und Schindler die Mozartstadt und vergessen dabei auch auf deren Einwohner nicht. Die Fiaker am Residenzplatz, die fleißigen Wäscherinnen und den einsamen Wachsoldaten auf dem Turm, all diese Gestalten hauchen dem Rundgemälde Leben ein. Dem Museumsbesucher wird die perfekte Illusion einer echten Aussichtsplattform vorgespielt. Über eine Treppe gelangt man auf ein 360°-Podium, das, sogar mit Fernrohren bestückt, einen beeindruckenden Blick auf das Gemälde erlaubt. Wer’s noch genauer betrachten will, für den hat sich das Panorama-Museum etwas ganz Besonderes ausgedacht – die „Zeit/Lupe“. Diese Installation erlaubt dem Besucher das Gemälde mittels Lupe gründlich zu erforschen. Und zwar mit Hilfe eines mobilen Monitors, der sich auf und ab, sowie seitwärts bewegen lässt und mittels Touchscreen zu bedienen ist. Insgesamt dreiundsechzig interessante Landschaftspunkte werden so dem Besucher näher erklärt. Einzigartig ist die Möglichkeit der Zeit- reise, innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde kann man die Bildausschnitte aus dem 19. Jahr-hundert mit Bildern aus dem Jahr 2003 vergleichen.


Von Salzburg in die Welt

Im Panorama-Museum wird das Rundgemälde von einer wechselnden Kosmoramen-Ausstellung begleitet, die sowohl von Johann Michael Sattler als auch dessen Sohn Hubert Sattler (1817–1904) stammt. Bevor die Fotografie die Welt eroberte, wurden Reisende von Malern begleitet, die das Gesehene für die Daheimgebliebenen auf Leinwand bannten. Betrachtet wurden die Kosmoramen durch spezielle Gucklöcher, dadurch, sowie durch effektvolle Beleuchtung, erhielt der Betrachter einen plastischen Eindruck des Bildes. Als Johann Michael Sattler von 1829 bis 1839 mit dem Salzburg-Panorama durch Europa reiste, waren die Kosmoramen als Zusatzprogramm zum Festungsstadt-Panorama gedacht. Von Salzburg nach München, Linz, Wien, Brünn, Prag, Dresden, Magdeburg, Hamburg, Leipzig, Berlin, Göteborg, Kopenhagen, Oslo, Amsterdam, Delft, Groningen, Paris, Brüssel, Köln und Frankfurt am Main reiste das Salzburg-Panorama und auch die Ausstellungstour selbst wurde von der Künstlerfamilie durch eindrucksvoll gezeichnete Bilder dokumentiert.

Die Panorama-Passage

Wer das Panorama-Museum nicht durch den Haupteingang am Residenzplatz betritt, sondern durch das Salzburg Museum, den erwarten die Anfänge der Salzburger Geschichte. Seit Juli 2007 kann man die Panorama-Passage besichtigen.


Abbildung 3:
J. M. Sattler: der erste Ehrenbürger der Stadt Salzburg; Bildnachweis: Salzburg Museum.

Mit der Gründung des römischen Iuvavum im Jahr fünfzehn vor Christus beginnt die Zeitreise bis ins heutige Salzburg. Archäologische Fundstücke, wie die Überreste einer römischen Mauer mit Wandmalerei, Töpferofen und Tongefäße, veranschaulichen den antiken Alltag vor zweitausend Jahren in der ehemals keltischen Siedlung. Vier verschiedene Stadtmodelle zeigen die Entwicklung Salzburgs, immer im Zentrum des Lebens die heutige Staatsbrücke, damals allerdings eine Holzbrücke, die an der engsten Salzachstelle die beiden Siedlungsseiten verband. In übersichtlich konzipierten Schaukästen wird die Geschichte Salzburgs von der Spätantike, zum Hochmittelalter, über die Barockzeit bis ins 19. Jahrhundert mit Fundgegenständen und Texten erklärt. Das Bildungsangebot der Panorama-Passage ist kostenlos, doch keinesfalls umsonst, denn genauso wie im Panorama-Museum inszeniert sich das Museum selbst. Effektvoll werden mit modernsten Techniken und ebenso moderner Architektur die Ausstellungsstücke für den Betrachter reizvoll in Szene gesetzt. Dreidimensionale Konstruktionen, Flat-Screens mit verständlichen sowie einfallsreichen Kurzfilmen sorgen für Abwechslung. Großartig die Tatsache, dass jeder Mensch das Salzburg-Museum in gleicher Qualität erleben kann. Barrierefrei zeigt sich das Museum, selbst die Aussichtsplattform des Salzburg-Panoramas stellt für Rollstuhlfahrer kein Hindernis dar. Auch für blinde, sehbehinderte und schwerhörige Menschen ist das Museum dank neuester Technik ein hervorragendes Erlebnis und selbst die Führungen gibt es nicht nur in verschiedenen Sprachen, sondern auch für alle Bedürfnisse. Nicht grundlos wurde das Salzburg Museum letztes Jahr mit dem „European Museum oft the Year Award 2009“ geehrt. Zweiundfünfzig Museen aus fünfundzwanzig Ländern waren an dem Bewerb beteiligt. Das European Museum Forum verlieh den Museums-Oscar verdienterweise an die Salzburger.

Christina Mair

Christina Mair studiert Geschichte mit dem Schwerpunkt Politikwissenschaft an der Universität Salzburg. Sie ist Absolventin der Oberösterreichischen Journalistenakademie. In der Vergangenheit hat sie bereits als freie Journalistin und Fernsehmoderatorin gearbeitet. Z. Z. arbeitet Frau Mair als Pressereferentin.
 

Links:

Internetseite des Salzburg Museums

Informationen des Panorama Museums mit Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und Führungsbuchung

Literatur:

Erich Marx und Peter Laub (Hg.): Das Salzburg-Panorama von Johann Michael Sattler, Bd. 1: Das Werk und sein Schöpfer,, Salzburg 2005 (Schriftenreihe des Salzburger Museums Carolino Augusteum, Nr. 13).

Ernst Steiner: Salzburg (Panoramafotos), Mannheim 2008.

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