Peter Scholl-Latour,

Der Weg in den neuen Kalten Krieg,

Ullstein Verlag, Berlin 2009.

Peter Scholl-Latour gilt als einer der besten Kenner der politischen Schauplätze rund um den Erdball. Vielfach wird ihm bescheinigt, "der letzte Welterklärer“ (Der Spiegel) zu sein. Doch auch der Ruf einer ewigen „Kassandra“ eilt ihm voraus.

Diesem Ruf trägt er in einer speziellen Form in dem vorliegenden Buch Rechnung. Wie die Kassandra der Antike, die den Untergang Trojas voraussagte, und der nicht geglaubt wurde, sagte auch Peter Scholl-Latour so manch politisches Ereignis voraus – und er wurde abgetan als ewig negativ sehender Besserwisser oder gar  „greiser König der Unken“.

Das Buch versteht Peter Scholl-Latour selber als eine kaleidoskopartige lose Auflistung von Kommentaren, Fernsehdokumentationen, Reportagen und persönlichen Notizen umrahmt von Interviews in chronologischer Reihenfolge. Er beginnt beim geschichtsträchtigen Datum „Nine-Eleven“ und endet seinen Zyklus mit der Wahl Barack Obamas zum amerikanischen Präsidenten im November 2008.

Interessanterweise stellt Peter Scholl-Latour seine Chronologie anhand der chinesischen Jahresbezeichnungen zusammen, da der Beginn eines neuen Jahres in den verschiedenen Kulturkreisen sehr variiert. Das Jahr der Schlange eröffnet und das Jahr der Ratte beschließt den Zyklus. Ist es ein versteckter Hinweis auf eine zukünftige Welt macht? Zumindest lässt die Entwicklung Chinas eine baldige führende Position im politischen Weltgefüge erahnen.

Nach eigenen Aussagen des Autors hat er seine Aufzeichnungen in originaler Form niedergeschrieben ohne nachträgliche Änderungen vorzunehmen. Und das macht die Lektüre dieses Buch so außerordentlich interessant.

Mit erstaunlicher Treffsicherheit hat Peter Scholl-Latour politische Ereignisse auf den verschiedensten Schauplätzen der Weltgeschichte analysiert und daraus mögliche Entwicklungen vorausgesehen. Wobei er sich im vorliegenden Buch überwiegend auf den mittleren Osten und Afghanistan und deren Verknüpfung mit Amerika, Europa und Russland beschränkt. Wichtige Ereignisse in weiteren Krisengebieten der Welt zieht er in seine Betrachtungen hinein, sofern sie die genannten Konfliktherde tendieren.

Bereits stattgefundene Ereignisse zu kommentieren, zu zerreden und „alles besser gewusst zu haben“ findet man bei zahlreichen Journalisten, Politikern oder sonstigen schreib- und redewütigen Menschen. Aber im Voraus zu sagen, was kommen könnte und damit in erstaunlich vielen Fällen Recht zu behalten, das offenbart den wahren Kenner.

So wie König Priamos besser auf die Kassandra-Rufe seiner Zeit hätte hören sollen, wünschte man sich nach der Lektüre des Buches, die amtierenden Politiker, vor allem in „good old Germany“ und Amerika , würden die modernen Kassandra -Rufe von heute vernehmen, verstehen und ihr Handeln entsprechend ausrichten.

Aber wann hat die Menschheit bzw. die politische Führung jemals aus der Geschichte gelernt?!

Zumindest den Leser regt das Buch sicherlich dazu an, interessierter auf das zu hören, was der „greise König der Unken“ auch heute noch zu sagen hat.

Birgitt Thomas

Jetzt auch als Höhrbuch:

Peter Scholl-Latour,

Der Weg in den neuen Kalten Krieg,

mit einem Vorwort gelesen vom Autor,
Text des Buches gelesen von Stephan Schad

HörbucH Hamburg, Hamburg 2009.

Links

Leseprobe (pdf-Format) - Hörprobe (mp3-Format)

Internetseite des Ullstein Verlags

Internetseite des HörbucH Hamburg Verlags

Wikipedia-Artikel: Peter Scholl-Latour

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