© Jürgen Frey, 15.06.2009 *
 

Medienkonsum Jugendlicher:

Gefahr oder Förderung der Kreativität?

Entwurf einer Unterrichtsstunde im Fach Politikwissenschaft (Profilkurs)

von Maik Hager, Ass. d. L.

Vorbemerkungen:

Die im Folgenden skizzierte Unterrichtsstunde im Fach Politikwissenschaft (Profilkurs) wurde im Unterricht der Albert-Einstein-Oberschule in Berlin-Britz am 13.11.2009 durchgeführt. In der Unterrichtsplanung wurden die Vorgaben des Rahmenlehrplans für die gymnasiale Oberstufe und des Fachseminars Geschichte/PW umgesetzt. Darüber hinaus wurde versucht, die in der 2. Phase der Lehrerbildung im Land Berlin angewendeten Planungsrichtlinien (siehe Handbuch Vorbereitungsdienst, v. a. S. 32f.) anzuwenden.
Als Lehrer für das Fach Geschichte/Sozialkunde (Sek. I) an Berliner Schulen vertritt man u. U. auch das Fach Politikwissenschaft (Sek. II). Ein (Lehramts-)Studium der Politikwissenschaft ist hierfür nicht erforderlich. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich bei diesen Ausarbeitungen, die hier kostenlos zur Verfügung gestellt werden, um einen Entwurf handelt, der nicht 1:1 in jeder Lerngruppe umsetzbar ist.

Thema der Unterrichtsreihe:

Themenfeld 1: Jugendliche in unserer Gesellschaft - als Käufer und Verkäufer / Konsumenten (Pflichtbereich)

Thema der Unterrichtstunde:

Medienkonsum Jugendlicher: Gefahr oder Förderung der Kreativität?

Fachlich-inhaltlicher Schwerpunkt der Unterrichtstunde (Basaltext):

Relevanz des Themas: Seit dem Siegeszug des Fernsehers und des Kinos in der Nachkriegszeit ist der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen Gegenstand kontroverser Debatten. Dabei wurde vor allem auf die Gefahren dauerhaften und unkontrollierten Medienkonsums für Kinder und Jugendliche hingewiesen. Auch die verbreiteten Inhalte wurden, mit dem Hinweis auf zunehmende Darstellung von (diskriminierender) Sexualität und exzessiver Gewalt, zum Teil scharf kritisiert. Diese Diskussion ist heute, im Zeitalter des Internets, der Spielkonsolen und des Computers auf einem neuen Höhepunkt. Besonders im Zusammenhang mit den Amokläufen an deutschen Schulen wurde in den letzten Jahren das Thema Gewaltdarstellung in den Medien (Filme u. v. a. Computerspiele) intensiv diskutiert. Die unbestreitbar vermehrte Darstellung extremer Gewalt in Computerspielen (sog. Killerspiele) wurde dabei als eine Ursache für die zunehmende Gewaltbereitschaft vor allem männlicher Jugendlicher herausgestellt. Die andere Seite bestreitet jedoch einen solchen kausalen Zusammenhang zwischen medialer und realer Gewalt. Dass Horror- und Actionfilme sowie sog. Egoshooter bzw. First-Person-Shooter (FPS) Kinder und Jugendliche zwangsläufig gewalttätig machen würden, sei bisher nicht bewiesen. Genauso gut könne man behaupten, dass kindliche Räuber-und-Gendarm- oder Cowboy-und-Indianer-Spiele zu Gewaltbereitschaft erziehen würden. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen sich nicht ausschließlich auf Gewalt verherrlichende Inhalte beschränke, sondern vielmehr von einem kommunikativen (z. B. eigene Internetseiten/Blogs) Gestalten und technischen Interesse (z. B. Computernetzwerke aufbauen, Programmierung) getragen sei.

Zusammenhang / Kontext zur Reihe: Die heutige Unterrichtsstunde erweitert das in der vorhergehenden Stunde eröffnete Themenfeld „Jugendliche in unserer Gesellschaft als Käufer und Verkäufer / Konsumenten“ um ein aktuelles Thema (Medienkonsum). In der vorangegangenen Stunde haben die Schüler zunächst Sachinformationen (Schaubild & Internetartikel) über die Kaufkraft und das Kaufverhalten von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 19 Jahren erarbeitet und diese in Beziehung zu ihrem eigenen Konsumverhalten gesetzt. Dabei wurde auch das Medienkonsumverhalten thematisiert. Darauf aufbauend sollen sie nun anhand einer aktuellen Kontroverse über das Medienkonsumverhalten und die damit hergestellten gesellschaftlichen Zusammenhänge im Rahmen eines Streitgesprächs diskutieren.

Inhaltlich-thematischer Schwerpunkt: In der heutigen Stunde liegt der Schwerpunkt auf der Durchführung eines Streitgesprächs zu einer aktuellen Kontroverse unter der Problemfrage „Medienkonsum Jugendlicher – Gefahr oder Förderung der Kreativität?“.

Didaktische Analyse / Reduktion: Dafür wurden zwei kurze Zeitungsartikel ausgewählt, die die konträren Standpunkte in der Debatte gut veranschaulichen. Die Artikel beschränken sich dabei jedoch nicht auf den Bereich der Computerspiele, sondern problematisieren den Bereich Medien insgesamt. Mit Hilfe dieser Artikel erarbeiten die Schüler in Gruppenarbeit zunächst eine Liste von Argumenten, die die Position ihrer Gruppe unterstützen und die sie später in die Diskussion einbringen können. Darüber hinaus erarbeiten die Schüler ein knappes Eingangsstatement, das ihren Standpunkt der Gegenpartei kurz erläutert. Abschließend reflektieren die Schüler über Funktion und Ziel eines Streitgesprächs.

Geplanter Output / Lernzuwachs: Die Schüler tragen die Argumente ihres Standpunktes zusammen und äußern diese strukturiert im Rahmen der Diskussion. Sie gehen auf die Argumente der Gegenpartei sachgerecht und reflektiert ein und wenden die Regeln des Streitgesprächs, die der Moderator zuvor kurz erläutert hat, an. Die Schüler reflektieren die Methode des Streitgespräches und benennen dessen Funktion und Ziel. Bei zeitlicher Reserve erläutern und bewerten die Schüler abschließend die Rolle und Aufgabe des Moderators (strukturieren, animieren und möglicherweise auch provozieren).

Begründung der didaktischen Zugangsweise: Als didaktische Zugangsweise bietet sich die Kontroversität an, da sie die Methode des Streitgesprächs trägt. Die kontroversen Standpunkte werden im Einstieg durch die Karikatur angebahnt und in der Erarbeitung konkretisiert. Inhaltlich gestützt wird die Kontroversität durch die Aktualität des Sachthemas, über das die Schüler diskutieren sollen.

Standards des Rahmenplans

siehe Eingangsvoraussetzungen laut Rahmenplan, S. 11 f.

Methodenkompetenz: Die Schüler praktizieren unter Anleitung des Lehrers verschiedene Gesprächs- und Sozialformen in der Lerngruppe und halten Gesprächsregeln ein.

angestrebte, längerfristige Kompetenzentwicklung:

Die in dieser Stunde angestrebte Förderung der Methodenkompetenz leistet einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Entwicklung der Beurteilungs- und Analysekompetenz. Am Ende der Einführungsphase sollen die Schüler in der Lage sein, unter Anleitung des Lehrers reflektierte Urteile zu treffen, indem sie zu politischen Fragen und Problemen sachlich begründete Stellungnahmen abgeben und dabei die verschiedenen Betrachtungsebenen (z. B. politische, wirtschaftliche, soziale, rechtliche) unterscheiden (Rahmenplan, S. 11). Durch die Einübung von Diskussionsmethoden wie z. B. dem Streitgespräch oder der Pro/Contra-Debatte sollen die Schüler dazu befähigt werden.

Konkretisierung der Standards

Die Schüler führen ein vom Lehrer moderiertes Streitgespräch / eine Kontroverse über die Problemfrage „Medienkonsum Jugendlicher: Gefahr oder Förderung der Kreativität?“.

individuelle Kompetenzentwickung der Lernenden in Bezug auf den Kompetenzförderungsschwerpunkt Methodenkompetenz

Schüler des hohen Kompetenzniveaus können die kritische Aussage der Karikatur eigenständig zügig erschließen und erkennen die Ironie des Karikaturtitels bzw. die Diskrepanz zwischen Textaussage (Förderung der Kreativität) und Bildaussage (Gefahr der Förderung der Gewaltbereitschaft). Sie können von dieser Kritik des Computerspielkonsums im Speziellen auf eine allgemeine Kritik des Medienkonsums Jugendlicher schließen, da sie Kenntnisse über die aktuelle Debatte z. B. um Spielverbote, Beschränkung des Internetzugriffs, Handyvideos, Horrorfilme usw. haben. Die vorgetragenen Diskussionsregeln können sie spontan verinnerlichen, ohne Schwierigkeit anwenden und ihre Funktion (Strukturierung der Debatte) erschließen. In der Gruppenarbeit übernehmen sie eine anleitende und ordnende Rolle. Die Arbeitsaufträge werden von ihnen unter Einbindung der Gruppenmitglieder zügig und zielorientiert bearbeitet (stichhaltige Argumente zusammentragen und schriftlich ausformulieren, Statement formulieren). Am Streitgespräch werden sie sich intensiv und strukturiert beteiligen und bemüht sein, die Gegenargumente stichhaltig zu entkräften. Auch wenn sie u. U. nicht ihren eignen, persönlichen Standpunkt vertreten können, können sie sich in die abweichende Position hineinversetzen. Sie werden sich aber auch bemühen eine Synthese der konträren Standpunkte zu formulieren. Die Reflexion der Diskussionsmethode gelingt ihnen problemlos, so dass sie die Durchführung im konkreten Fall bewerten und auch Verbesserungs- bzw. Änderungsvorschläge für eine erneute Durchführung machen. Die Rolle des Moderators als ordnende, helfende und z. T. auch provozierende Instanz können sie erläutern.

Schülern des mittleren Kompetenzniveaus gelingt es durch wenige Lehrerimpulse die kritische Aussage der Karikatur zu erschließen und die Ironie des Karikaturtitels bzw. die Diskrepanz zwischen Textaussage (Förderung der Kreativität) und Bildaussage (Gefahr der Förderung der Gewaltbereitschaft) zu erkennen. Sie können von dieser Kritik des Computerspielkonsums im Speziellen in Ansätzen auf eine allgemeine Kritik des Medienkonsums Jugendlicher schließen und z. B. andere Formen der Gewaltdarstellung in Medien, die von Jugendlichen konsumiert werden, auf Nachfrage nennen (z. B. Horror- und Actionfilme). Die vorgetragenen Diskussionsregeln können sie nach Erläuterung verinnerlichen, müssen jedoch im Laufe der Debatte durch den Moderator an deren Einhaltung erinnert werden. Ihre Funktion (Strukturierung der Debatte) können sie auf Nachfrage erklären. In der Gruppenarbeit werden sie konstruktiv mitarbeiten und einige Argumente, die die Gruppenposition stützen, aus der Textvorlage einbringen können. Am Streitgespräch werden sie sich durch eigene Beiträge und auch nach Aufforderung des Moderators beteiligen. Falls sie einen ihrer persönlichen Meinung entgegen gesetzten Standpunkt vertreten müssen, werden sie etwas länger brauchen, um sich an der Diskussion zu beteiligen. Dabei werden sie diesen Standpunkt jedoch vehement vertreten. Die Gesprächsmethode reflektieren sie auf Nachfrage und können Funktion und Ziel benennen. Außerdem können die die Anwendung / Umsetzung im konkreten Fall in Ansätzen bewerten.

Schülern des niedrigen Kompetenzniveaus wird es zunächst schwer fallen, die kritische Aussage der Karikatur zu erschließen und die Ironie des Karikaturtitels bzw. die Diskrepanz zwischen Textaussage und Bildaussage eigenständig zu erkennen. Sie können von der Kritik des Computerspielkonsums im Speziellen nur mit starken Einhilfen des Lehrers auf eine allgemeine Kritik des Medienkonsums Jugendlicher schließen. Die vorgetragenen Diskussionsregeln nehmen sie zwar zur Kenntnis, werden sich aber nur sporadisch daran halten (Zwischenrufe) oder sich nicht an der Diskussion beteiligen. In der Gruppenarbeit werden sie zur Erarbeitung von Argumenten, die ihre Position stützen, die meiste Zeit benötigen und vermutlich nur ein (das stärkste) Argument nennen können (Die Studie hat gezeigt, dass Jugendliche, die „Killerspiele“ spielen, zur Gewaltanwendung neigen. – Durch die Beschäftigung mit Computernetzwerken und Spielen werden vor allem technische Fähigkeiten der Jugendlichen gefördert.). Am Streitgespräch beteiligen sie sich kaum oder nur unstrukturiert. Es fällt ihnen schwer, auf Argumente der Gegenpartei spontan und sachgerecht zu antworten, vor allem dann, wenn sie einen ihrer persönlichen Meinung entgegen gesetzten Standpunkt vertreten müssen. Die Reflexion der Diskussionsmethode wird von ihnen nicht geleistet.

Begründung der Lehr-Lernstruktur

Sitzordnung (vor der US): Die heutige Sitzordnung wurde bereits in der großen Pause vor der Unterrichtsstunde hergerichtet. Sie soll in der Erarbeitungs- und in der Vertiefungsphase den Lernprozess unterstützen bzw. erleichtern. Die Gruppentische ermöglichen den Austausch über mögliche Argumente nach der Lektüre des Textes. Die gegenüberliegenden Sitzreihen verstärken die Diskussionsform.

Einstieg (7 min.): Für die Erschließung des Problemfeldes „Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen“ wurde eine aktuelle Karikatur des Künstlers und Karikaturisten Jürgen Frey ausgewählt. Die Karikatur als gezeichneter Kommentar zu einer aktuellen kontroversen Diskussion eignet sich in besonderem Maße, da Bildaussage und Titel die beiden konträren Diskussionsstandpunkte (Jugendgefährdung durch Gewaltdarstellung vs. Förderung von Kreativität und Fantasie durch Medien) sehr gut verdeutlicht. Die Schwierigkeit für die Schüler besteht darin, den Widerspruch zwischen Bildaussage und Titel zu erkennen. Dies sollte jedoch durch die Darstellung des Jugendlichen als besessenem Spieler (ungepflegt, unnatürliche Gesichtsfarbe und Gesamterscheinung, fingerfertige Bedienung von Tastatur und Mouse) extrem gewalthaltiger Computerspiele (sog. „Killerspiele“, z. B. des in Deutschland inzwischen gerichtlich verbotenem Computerspiels Manhunt, hier als Män Hand getarnt) erleichtert werden.

Erarbeitung (12 min.): Zur Vorbereitung des Streitgesprächs sollen die Schüler in zwei großen Gruppen die jeweiligen Argumente ihrer Seite aus einem Text erarbeiten. Die Gruppeneinteilung erfolgt aus Zeitgründen durch den Lehrer. Da Lion und Patric zu den leistungs- und diskussionsstärksten Schülern des Kurses zählen, dürfen sie nicht in derselben Gruppe arbeiten. Die Gruppenarbeit wurde als Sozialform gewählt, da es den Schülern hier vermutlich leichter fällt, Argumente, die ihrem persönlichen Standpunkt widersprechen, zusammenzutragen und für die Diskussion aufzubereiten. Damit sich jedes Gruppenmitglied an der anschließenden Diskussion beteiligen kann, sollen alle Mitglieder die vorgebrachten Argumente notieren. Dieser Hinweis ist in den Arbeitsaufträgen explizit erwähnt, muss jedoch noch einmal zu Beginn der Erarbeitungsphase durch den Lehrer bei der Klärung der Arbeitsaufträge erläutert werden. Die ausgewählten Texte eignen sich für den Unterrichtseinsatz, da sie die kontroversen Standpunkte mit Beispielen gut veranschaulichen. Auch wenn der Text der Gruppe 1 älteren Datums ist und die Ereignisse und Berichterstattung im Umfeld der Amokläufe an deutschen Schulen von 2002 (Erfurt), 2006 (Emsdetten) und 2009 (Winnenden, Ansbach) nicht berücksichtigen kann, so stellt er doch einen immer noch vertretenen und vertretbaren Standpunkt in der Debatte dar.

Vertiefung (15 min.): Zur Durchführung des Streitgesprächs sitzen sich die beiden Gruppen an den Tischreihen gegenüber. Vor Beginn der Eingangsstatements erläutert der Moderator/Lehrer in Anlehnung an das Methodenkarte 6b, die auf die Rückseite des Arbeitsblattes „Karikatur“ kopiert wurde, kurz die Gesprächsregeln (Melden, Rede – Gegenrede, Einbringung und Bezugnahme auf Argumente, abschließendes Meinungsbild durch Handzeichen). In dieser Phase übernimmt der Lehrer die Rolle des Moderators. Dabei muss er darauf achten, dass er das Streitgespräch „in Schwung hält“ und ordnet, wobei er nur bei der Gefahr des Leerlaufs selbst Argumente/Beiträge in die Diskussion einfügt. In dieser Stunde übernimmt der Lehrer die Rolle des Moderators, da die Schüler mit der Methode des Streitgespräches noch nicht so weit vertraut sind, dass einer von ihnen diese Aufgabe übernehmen könnte. Am Ende der Phase holt der Moderator durch Abstimmung über die Problemfrage ein abschließendes Meinungsbild ein, das mit dem ersten Meinungsbild verglichen wird.

Reflexion (8 min.): Nach Abschluss des Streitgesprächs sollen die Schüler über die Durchführung und Methode desselben reflektieren. Wozu dient das Streitgespräch (Klärung der Standpunkte / des eigenen Standpunkts, fairer Austausch der Argumente) und was kann es leisten (Kompromisse finden/formulieren)? Abschließend sollen die Schüler auch die Rolle des Moderators erläutern und in Ansätzen für diese Durchführung bewerten.

Sitzordnung:

Erwartungshorizont: Argumente im Streitgespräch
 

Gruppe 1: Medien fördern Fantasie und Kreativität

Der Umgang mit modernen Medien fördert technische Fähigkeiten von Jugendlichen, z. B. beim Aufbau von Computernetzwerken, auch wenn diese nur für „Ballerspiele“ errichtet werden.

Moderne Medien, z. B. Computer, sind geeignete Mittel zur Förderung von Fantasie und Kreativität von Jugendlichen, weil Jugendliche an ihnen gestalterisch tätig sein können.

Mit Hilfe von modernen Medien können Jugendliche ihre Ideen, Gedanken und Vorstellungen veröffentlichen (z. B. mit eigenen Internetseiten).

Jugendliche nutzen moderne Medien, weil es ihnen Spaß macht (Freizeit).

Durch den Umgang mit modernen Medien können Jugendliche wichtige Fähigkeiten und Kenntnisse für ihr späteres Berufsleben erwerben (z. B. auch als Computerspielentwickler – Traumberuf vieler männlicher Jugendlicher?).

Moderne Medien gehören inzwischen zum Alltag vieler Jugendlicher (Schule, Beruf, Freizeit).

Gruppe 2: (Gewalt-)Medien erzeugen Gewalt

Das Angebot von Filmen und Computerspielen, in denen Gewalt gezeigt wird, ist sehr groß und stellt eine Gefahr für Jugendlich dar.

Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen, die Horror-, Gewaltfilme und gewalttätige Computerspiele konsumieren, steigt, d. h. die Bereitschaft Gewalt anzuwenden steigt.

Mit pädagogischen Mitteln (Schule / Eltern) können Jugendliche nicht vor Gewalt in Medien geschützt werden, deshalb müssen gesetzliche Regelungen gefunden werden.

könnte als aktuelles Beispiel vom Text unanhängig, die Karikatur aufgreifend angeführt werden:

Nach diversen Medienberichten sollen die Amokläufer an deutschen Schulen extrem gewalthaltige Medien (Video- und Computerspiele) konsumiert haben, so dass ein Zusammenhang nicht ausgeschlossen werden kann.

 

Materialien:


© Jürgen Frey, 15.06.2009.

Aufgaben

1. Beschreiben Sie die abgebildete Karikatur.

2. Erläutern Sie die Darstellungsabsicht des Karikaturisten in Bezug auf den Medienkonsum Jugendlicher in unserer Gesellschaft.

 

Methodenkarte 6b, Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.), Methoden-Kiste (Thema im Unterricht - Extra)

 

Gruppe 1: Medien fördern Fantasie und Kreativität

Elisabeth Uhl, Medien fördern Fantasie und Kreativität

(aus: Der Tagesspiegel, 15.09.1999, Auszüge)

Medien sind in der Öffentlichkeit allgegenwärtig und bestimmen unser Denken und Handeln mehr, als wir es wahrnehmen. Fernsehen, Video und Computer spielen vor allem im Alltag von Kindern und Jugendlichen eine dominante Rolle. Sie nutzen diese Technologien überwiegend in ihrer Freizeit und greifen dabei in erster Linie auf kommerzielle Angebote der Freizeitindustrie zurück. [...]

Der Umgang mit den modernen Informations- und Kommunikationstechnologien ist ein geeignetes Mittel, um Fantasie und Kreativität zu entfalten und eigene, gestalterische Ausdrucksformen zu entwickeln. So werden beispielesweise bei dem Aufbau von Computernetzwerken — selbst wenn diese nur dazu dienen, sogenannte Ballerspiele auf den Monitor zu zaubern — Fähigkeiten im Umgang mit Soft- und Hardware erworben, die wiederum den Jugendlichen in ihrem späteren Berufsleben helfen können.

Aktive Medienarbeit ermöglicht Jugendlichen, sich mit ihren Ideen, Gedanken und Vorstellungen in die öffentliche Diskussion einzubringen. Letztlich macht die aktive Gestaltung der Medien Spaß. Die außerschulische Jugendmedienarbeit zeichnet sich im Gegensatz zur schulischen durch Freiwilligkeit aus, was die Bedingungen für lustvolles und engagiertes Arbeiten verbessert. Um eine konstruktive Zusammenarbeit der verschiedenen pädagogischen Institutionen zu erreichen, ist eine größere Vernetzung der einzelnen Institutionen gefordert, vor allem im schulischen und außerschulischen Bereich.

Damit auch den sozial Benachteiligten der Zugriff auf die Medien ermöglicht wird, ist für eine angemessene technische Ausstattung der pädagogischen Einrichtungen zu sorgen. [...] In einer Zeit, in der die Medien zum Leben gehören, ist ein kompetenter und kritischer Umgang mit ihnen Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Denken und Handeln.

Aufgaben (Arbeitszeit 13 min.):

Bereiten Sie sich auf ein Streitgespräch über die Frage „Medienkonsum von Jugendlichen – Gefahr oder Förderung der Kreativität?“ vor. Sie vertreten die Ansicht, dass die modernen Medien die Fantasie und die Kreativität von Jugendlichen fördern.

1. Lesen Sie den Artikel von Elisabeth Uhl und tragen Sie in der Gruppe Argumente, die Ihre Behauptung stützen, zusammen. Notieren Sie Ihre Argumente.
2. Bereiten Sie für das Streitgespräch ein kurzes Eingangsstatement (1 Minute) vor, welches ein Gruppenmitglied zur Eröffnung vorträgt.

 

Gruppe 2: (Gewalt-)Medien erzeugen Gewalt

Werner Pluta, Studie: Gewaltmedien erzeugen Gewalt Forscher untersuchten Zusammenhang zwischen Gewaltmedien und Gewaltausübung

(aus: Golem.de – IT-News für Profis, 25.08.2008, 15:37, URL: http://www.golem.de/0808/61957.html)

Kinder und Jugendliche, die viel gewalttätige Medien konsumieren, neigen selbst zu Gewalttätigkeit. Das haben Wissenschaftler in einer zweijährigen Studie herausgefunden. Die Auswirkungen von Computerspielen sollen besonders groß sein. Die Autoren der Studie fordern deshalb politische Konsequenzen.

Im Zuge der Studie mussten die Schüler zwei Fragebögen ausfüllen: Der erste fragte danach, wie häufig die Befragten in der Kindheit und Jugend mit Gewalt in den Medien konfrontiert wurden. Nach zwei Jahren mussten die Schüler diesen Fragebogen noch einmal ausfüllen. Auf einem zweiten Bogen fragten die Wissenschaftler danach, ob die Jugendlichen in einem Konflikt Gewalt anwenden würden.

Im Rahmen einer zweijährigen Studie befragten die Psychologen und Erziehungswissenschaftler um Günter Huber von der Universität Tübingen über 650 Hauptschüler aus Bayern.

Laut der Studie bleibt der Konsum von Horror- und Gewaltfilmen in der Kindheit und der Pubertät nicht ohne Auswirkungen: So sei die Bereitschaft der Jugendlichen, selbst Gewalt anzuwenden, "über die Jahre mit zunehmendem Konsum von medialer Gewalt" angestiegen, schreiben die Wissenschaftler. Besonders groß sei dabei die Gefahr, die von gewalttätigen Computerspielen ausgehe.

Angesichts des großen Angebots an Filmen und Computerspielen, in denen Gewalt vorkommt, halten die Wissenschaftler "pädagogische Maßnahmen" nicht für ausreichend, um deren Konsum zu senken. Sie fordern deshalb "auf politischer Ebene ein Verbot von extrem gewalthaltigen Video- und Computerspielen".

Aufgaben (Arbeitszeit 13 min.):

Bereiten Sie sich auf ein Streitgespräch über die Frage „Medienkonsum von Jugendlichen – Gefahr oder Förderung der Kreativität?“ vor. Sie vertreten die Ansicht, dass von den modernen Medien eine Gefahr für Jugendliche ausgeht.

1. Lesen Sie den Artikel von Werner Pluta und tragen Sie in der Gruppe Argumente, die Ihre Behauptung stützen, zusammen. Notieren Sie Ihre Argumente.
2. Bereiten Sie für das Streitgespräch ein kurzes Eingangsstatement (1 Minute) vor, welches ein Gruppenmitglied zur Eröffnung vorträgt.

* Die Veröffentlichung / Bereitstellung des Bildmaterials erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

zum Autor:

Maik Hager (Jahrgang 1977) studierte an der TU Berlin die Fächer Geschichte und Philosophie (Lehramt) bei Prof. Dr. Schulz-Hageleit und Prof. Dr. Gil. In der wissenschaftlichen Hausarbeit zum Ersten Staatsexamen hat er sich mit dem Ackergesetz des Tiberius Gracchus beschäftigt. Im Rahmen der schriftlichen Prüfungsarbeit für das Zweite Staatsexamen hat er mit Schülern einer 9. Klasse eine Führung durch den Ausstellungsteil Erster Weltkrieg des DHM konzipiert.
Inzwischen ist er Lehrer für die Fächer Geschichte, Sozialkunde, Politikwissenschaft, Geographie, Ethik und Philosophie an der Königin-Luise-Stiftung in Berlin und Herausgeber der Online-Magazine Geschichte-erforschen.de und Philosphie-erforschen.de.

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